1. Internationale Tierschutzgipfel in Wien

Tierschutzkongress

Unter dem Motto „Tierschutz – Zukunftsfrage oder Luxusproblem?“ lud die Tierschutzorganisation Vier Pfoten zum 1. Internationalen Tierschutzgipfel im Schloss Schönbrunn in Wien. Mehr als 300 Gäste kamen zu den Vorträgen und Diskussionen der Experten aus den Bereichen Wissenschaft, Ernährung, (Land-)Wirtschaft und Kunst.

Ehrenschutz vom Bundespräsidenten

Höhepunkt des Tierschutzgipfels war der Auftritt des chinesischen Konzeptkünstlers und Menschenrechtsaktivisten Ai Weiwei. Den Ehrenschutz für die Veranstaltung hatte Bundespräsident Alexander Van der Bellen übernommen. In seiner humorvollen Rede sprach der Bundespräsident von Tierschutz „als einer Herzensangelegenheit“. Tierschutz sei „Gott sei Dank kein Luxusthema mehr“. Es sei vielmehr „eine Existenzfrage, die uns alle angeht.“ Der Gipfel sei ein Schritt in die richtige Richtung: „Wir werden uns heute gemeinsam Fragen stellen und gemeinsam versuchen, dafür Lösungen zu finden.

Der EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, betonte ebenfalls die Bedeutung des Tierschutzes:

Wir müssen wieder zur Kenntnis nehmen, dass Tiere fühlende Wesen sind.

Andriukaitis sprach von den bisherigen Errungenschaften der EU im Tierschutz, aber auch von den riesigen Herausforderungen, die noch bevorstehen. Gastgeber Heli Dungler, Gründer und Präsident von VIER PFOTEN, sprach in seiner Begrüßungsrede darüber, dass sich innerhalb der nächsten 30-40 Jahre  die Zahl der Nutztiere auf der Erde verdoppeln wird. Vor allem die Schwellenländer würden ihren Fleischkonsum stark erhöhen. Dungler warnte vor den Auswirkungen dieser Entwicklung nicht nur auf das Tierwohl, sondern auch auf die Umwelt.

Die Erde für uns alle?

Die Keynote zum Thema „Die Erde für uns alle?“ übernahm der bekannte Autor, Aktivist und Wissenschaftler Raj Patel. Er stellte in seinem Vortrag vor allem die billige Massenproduktion mit all ihren verheerenden Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt in den Mittelpunkt.

In seinem mit Spannung erwarteten Interview auf der Bühne erzählte Ai Weiwei von seiner persönlichen Verbindung mit VIER PFOTEN: Als er vor wenigen Jahren in Gaza über Flüchtlinge recherchierte, stieß er dort auf einen Tiger, der von der Tierschutzorganisation  gerettet wurde. Tiere, so Ai Weiwei, seien immer Teil des menschlichen Lebens – und viel zu lange Opfer des Menschen gewesen. Es sei Zeit, sich auf die menschlichen Werte zu besinnen und mehr Verantwortung gegenüber allen lebenden Geschöpfen zu zeigen.

Im Rahmen der Interview-Session wurden sowohl die jordanische Prinzessin Alia, Gründerin der „Princess Alia Foundation“ und seit langem Wegbegleiterin der Tierschutzorganisation, und die österreichische Tierschützerin und Journalistin Maggie Entenfellner von Heli Dungler zu Sonderbotschafterinnen des Tierschutzgipfels ernannt.

Themenschwerpunkte Lebensraum, Wirtschaft und Ernährung

Der Nachmittag war den Themenschwerpunkten Lebensraum, Wirtschaft und Ernährung gewidmet. Beim Panel ‚Ernährung. Wieviel Tier braucht unser Essen?‘ wurden die Zukunft der Ernährung bzw. alternative Ernährungskonzepte besprochen. Der Panel ‚Wirtschaft‘ brachte nicht nur spannende Beispiele aus der Praxis, sondern zeigt auch das Spannungsverhältnis zwischen Tierwohl, Nachhaltigkeit und Ethik einerseits und rein wirtschaftlichen Unternehmenszielen andererseits. Mit dem Thema Gütesiegel, das Motivforscherin Helene Karmasin in einem Vortrag beleuchtete, legte der Gipfel auch bewusst einen Fokus auf ein sehr aktuelles Verbraucherthema.

Ein besonderes Highlight war auch die Fishbowl-Diskussion um das heikle Thema „Krisen, Kriege, Katastrophen – Haben Tiere ein Recht auf Rettung?“, die mit der jordanischen Prinzessin Alia, Gründerin der „Princess Alia Foundation“, Journalistin Corinna Milborn, Marcus Bachmann von „Ärzte ohne Grenzen und Phone Win, Mediziner der NGO „Mingalar Myanmar“ hochrangig besetzt war.

Abschlussdiskussion beim internationalen Tierschutzgipfel

Durch die Veranstaltung führte die Journalistin Nadja Bernhard. Sie moderierte auch die Abschlussdiskussion. Deren Teilnehmer:

kamen noch einmal auf das Motto des Gipfels „Tierschutz – Zukunftsfrage oder Luxusproblem?“ zurück.

Link:

www.iaws2018.com

Titelfoto: VIER PFOTEN/Adrian Almasan

Ähnliche Artikel

Schwerpunktkontrollen der Polizei und des Veterinä... Mehrmals jährlich führt die Wiener Polizei in Zusammenarbeit mit der MA 60 (Veterinärdienste der Stadt Wien) Schwerpunktkontrollen in Sachen Hundehaltung durch.  Bei diesen werden Hundehalter verstärkt an ihre Verpflichtungen und die Spielregeln für ...
Welttierschutztag am 4. Oktober Welttierschutztag am 4. Oktober Der Welttierschutztag wird jeden 4. Oktober von internationalen Tierschützern für Informationsveranstaltungen zum Thema Tierschutz genutzt. Was ist der Welttierschutztag? Zum ersten Mal wurde der Welttierschutzta...
Hunde finden auf Wiener Badeplätzen Abkühlung im S... Der Sommer in Wien bietet auch zahlreiche Möglichkeiten zur Abkühlung auch für die Hunde. Angefangen von Trinkbrunnen in Wien, die mit Hundetränken ausgestattet sind bis zum richtigen Baden am Hundebadeplatz oder Hundestrand. Hierfür gibt es etliche ...
Einkaufsratgeber: Augen auf beim Kauf von Schweine... Was steckt hinter den Gütesiegeln, die beim Schweinefleisch den Konsumenten eine gute Tierhaltung, exzellente Qualität samt richtiger Herkunft versprechen? Im Einkaufsratgeber „Augen auf beim Schweinefleischkauf!“ werden die wichtigsten Kriterien...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.