Leidgeprüfte Löwen aus Rettungsstation beginnen neues artgerechtes Leben in Südafrika

Sechs Löwen mit den Namen Kongo, Nora, Neida, Simba, Pregan und Gyspy konnten letzten Dienstag aus der kürzlich von VIER PFOTEN übernommenen Rettungsstation Felida ihre Reise vom niederländischen Nijeberkoop in Friesland nach Südafrika antreten.

Bevor sie in die Auffangstation „Stichting Pantera“ (das heutige Felida) kamen, mussten sie im Zirkus Kunststücke vorführen oder ein trauriges Dasein in Zoos fristen. Der elfjährige Kongo und seine gleichaltrigen Schwestern Nora und Neida wurden von ihrem früheren Trainer in die Rettungsstation gebracht, als er sie nicht mehr für seine Zirkus-Show nutzen konnte. Simba und Pregan, beide sieben Jahre alt, wurden in einem Zoo in Deutschland geboren und 2012 in die Rettungsstation überführt. Pregan hat keine Mähne, weil er kastriert wurde. Löwe Gypsy musste besonders leiden: Gemeinsam mit ihrem früheren Gefährten Romany (der letztes Jahr verstarb) wurde sie 2009 aus einem heruntergekommenen rumänischen Zoo gerettet. Die elfjährige Löwin hat verkürzte Knochen und kann somit nicht richtig laufen.

Trotz des Zeitdrucks und den schwierigen örtlichen Bedingungen (enge dunkle Innenkäfige) gelang es den Experten, die Löwen der Reihe nach zu narkotisieren, medizinisch zu untersuchen und anschließend in eigens dafür vorgesehene Transportkisten zu verladen. Von Felida ging es per Truck nach Amsterdam, wo die Tiere per Cargo Maschine nach Johannesburg geflogen wurden. Dort wurden sie schließlich empfangen und ins Großkatzenrefugium Lionsrock in der Provinz Freistaat gebracht.

Lionsrock: Tiergerechtes Leben für Löwen unter afrikanischer Sonne

Lionsrock Löwe
Ein Löwe wird im südafrikanischen Lionsrock frei gelassen.

Im Großkatzenrefugium Lionsrock in Südafrika (Provinz Freistaat, 18 km von der Stadt Bethlehem entfernt) leben bereits 86 Löwen und 14 Tiger entsprechend ihrer natürlichen Bedürfnissen. In den Niederlanden hatten die Löwen nur 130 Quadratmeter Platz. In Afrika haben sie ein Areal von einem Hektar, das ihren Bedürfnissen gerecht wird. Alle Neuankömmlinge stehen nun unter laufender Beobachtung durch das Lionsrock Team und einer niederländischen Tierpflegerin, die die Löwen nach Südafrika begleitete.

Lionsrock gibt Löwen und Tigern, die unter mangelhaften Bedingungen in Zoos, Zirkussen oder in privater Gefangenschaft gehalten wurden, ein neues lebenslanges artgemäßes Zuhause. Der Lebensraum bietet höchste Standards, einschließlich weitläufiger Areale für Familiengruppen, Förderung natürlichen Verhaltens durch artgemäße Tierhaltung sowie höchste Standards, was medizinische Versorgung und Gehegesicherheit angeht.

Jagen, Handel und Zucht wilder Tiere streng verboten

In Lionsrock mit einer Parkfläche von 1.250 Hektar und ein 56 Hektar großes Areal für die Gehege der Großkatzen (Insgesamt 112 Tiere; hauptsächlich Löwen, aber auch Tiger, Leoparden, Geparden, Wüstenluchse, Servale, Hyänen und Wildhunde) ist das Jagen, der Handel und die Zucht wilder Tiere streng verboten. Im restlichen Park leben andere typisch südafrikanische Tierarten wie beispielsweise Zebras, Gnus und andere Antilopen frei.

Situation der Großkatzen in Felida soll langfristig verbessert werden

In Felida wird die internationale Tierschutzorganisation nun weitere Maßnahmen treffen, um die Situation der verbleibenden Großkatzen langfristig zu verbessern. Die Station wurde vor circa 20 Jahren als „Stichting Pantera“ gegründet, über die Jahre hinweg wurde das Projekt jedoch stark vernachlässigt. Im Oktober 2013 konnte VIER PFOTEN die Station übernehmen. Felida soll in eine Transitstation für Großkatzen umzuwandeln, die den Standards der Tierschutzorganisation Vier Pfoten für Tierschutz und Sicherheit entspricht, sowie jenen Großkatzen, die nicht mehr transportfähig sind, eine dauerhafte Unterbringung zu ermöglichen. In Ferlida befinden sich nun noch zwei weitere Löwen, 15 Tiger, ein schwarzer Jaguar, ein afrikanischer Leopard sowie eine Bengalkatze.

Foto: VIER PFOTEN / Mihai Vasile

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